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Gedanken, Atem und Bewegung
Gedanken, Atem und Bewegung sind drei Hilfsmittel für die Übungspraxis. Die Gedanken lenken das Qi. Die Fähigkeit, den Atem zu regulieren beeinflusst die Tiefe der Übung. Die individuellen Möglichkeiten, sich zu bewegen, beeinflussen die Durchführung der Bewegung selber. Bei Bewegungseinschränkungen muss die Übung entsprechend angepasst werden.
Das Praktizieren von Qigong erfordert eine aufmerksame Auseinandersetzung und einen bewussten Umgang mit sich selbst. Die Übenden müssen sich sehr achtsam beobachten, spüren und den eigenen Körper ganz bewusst einsetzen. Aufgrund der damit verbundenen hohen geistigen und körperlichen Konzentration und Beanspruchung wirken Qigong-Übungen sehr intensiv auf Körper und Geist, die sich gegenseitig nach dem Prinzip von Yin und Yang beeinflussen.
Es geht um das Kennenlernen der eigenen Voraussetzungen (Fähigkeiten und Grenzen erfahren und akzeptieren lernen). Wenn die Anforderungen der Übungen individuell angepasst werden und man sich genügend Zeit nimmt, überfordert man sich nicht und man setzt sich auch nicht unter Druck (Es führen verschiedene Wege zum Ziel).
Körperliche Zentrierung, stabiler Stand
Körperliche Zentrierung ist eine Voraussetzung für bestmögliche Aufmerksamkeit und ein müheloses Ausführen der Übungen.
Für einen stabilen Stand müssen die Schultern, Hüfte und Knie entspannt sein. Dadurch sinkt unser Körpergewicht bis zum Boden hinunter, und wir gewinnen einen relativ tiefen körperlichen Schwerpunkt. Der so gelagerte Schwerpunkt verbessert das Gleichgewicht und ermöglicht einen intensiven Bodenkontakt wie ein tief in der Erde verwurzelter Baum.
Auch beim Gehen ist es wichtig, ein stabiles Gleichgewicht zu halten. Dazu müssen wir exakt mit dem Körpergewicht arbeiten. Die Be- und Entlastung der Beine muss entsprechend der jeweiligen Übung jederzeit deutlich sein. So sollte z.B. das linke Bein mit dem ganzen Gewicht (100%) belastet sein, wenn das rechte bewegt wird. Dieser Stand hilft, eine gute Basis für das psychische Gleichgewicht zu finden. Dies ist ein wichtiges Fundament, um sich zu entspannen und sich anmutig zu bewegen. Die chinesischen Qigong Schulen beschreiben dies als "Oben herrscht Leere und unten Fülle". Sie sehen darin eine Möglichkeit, geistig und körperlich beweglich und flexibel zu werden.
Ausdruck und Bewegung, Lenkung des Qi durch die Vorstellung
Beim Qigong ist es wichtig, ausdrucksvolle Haltungen einzunehmen bzw. Bewegungen auszuführen. Beispiel: Wir lassen das Handgelenk am Ende einer schiebenden Bewegung leicht in die Tiefe sinken. So zeigen wir dass wir etwas vorwärts schieben. Oder wir beugen die Arme bei der Stehenden Säule (Zhan-zhuang) so, dass es aussieht, als würde man einen grossen Baum umarmen.
Diese inhaltsvollen Bewegungen und Haltungen werden u.a. ermöglicht durch
1. die optimale Koordinierung
2. die Steuerung aus der Mitte
3. die Führung durch die Vorstellung
Die einzelnen Bewegungen agieren und reagieren aufeinander in einer Übereinstimmung, als würden sie einen harmonischen Dialog miteinander führen. Selbstverständlich ist dies ein hohes Ziel, das man nur schrittweise erreichen kann. Deshalb konzentriert man sich zu Beginn des Übens auf Teilaspekte. Sonst führt es zu einer Verkrampfung und Anspannung, wenn man schon zu Beginn auf alles achten muss (Atem, Bewegung, Koordination, Stand, etc.). Die Bewegungen werden stets aus der körperlichen Mitte gesteuert. So erfolgt z. B. die Bewegung der Arme und Hände beim Schieben ausgelöst durch Impulse und Bewegungen der Beine und sie geht weiter über den Rumpf (Beckengürtel, Wirbelsäule und Schultergürtel) in die Arme und schliesslich in die Hände. Das Schieben mit den Händen wird hierbei durch das reibungslose Zusammenspiel des ganzen Körpers deutlich gezeigt.
Die Führung durch die Vorstellung beinhaltet geistige Vorbereitung, bewusste Ausführung, Vorstellungskraft und Blickführung. Bevor eine Bewegung ausgeführt wird, sollte sie geistig vorbereitet werden. Dazu gehört: innerlich ruhig zu werden, höchste Konzentration und eventuell die Bewegung gedanklich auszuführen. Die nachfolgenden Bewegungen werden stets in Sekundenbruchteilen im Voraus geplant und vorbereitet. Die Bewegungen selbst werden mit der höchsten Konzentration und Aufmerksamkeit gewissenhaft ausgeführt. Dadurch gewinnen sie an Genauigkeit und können in einem Fluss erfolgen.
Die Bewegungen gewinnen an Bedeutung, wenn man sich den Sinn der Bewegung selbst vorstellt: z. B. die Vorstellung, dass man tatsächlich etwas schiebt (und schieben kann ich ja nur mit gutem Bodenkontakt). Durch das Wechselspiel von Anspannung und Entspannung der Muskeln werden die Meridiane stimuliert und reguliert. Das optimal funktionierende Meridiansystem ist nach Ansicht der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) die Basis für Gesundheit.
Insgesamt gesehen lässt sich sagen, dass Qigong mit seinen unterschiedlichen Wirkungen die physiologische Anatomie und die Funktion der Organe sowie ein stabileres vegetatives Nervensystem und psychische Ausgeglichenheit bewirkt.
Geduld und Ausdauer
Lernen und üben von Qigong erfordern Geduld und Ausdauer. Dabei ist es wichtig, zu wissen, dass die Bedeutung des Übens beim Qigong anders ist, als das, was wir üblicherweise unter Üben verstehen. Ich wiederhole die Übungen nicht einfach so oft, bis sie perfekt sind. Sondern jedes einzelne Üben ist eine Art bearbeiten, verändern, wiederherstellen wie z. B. beim Schmieden, wo ein Eisenstück immer wieder erhitzt und weiter bearbeitet wird, bis die Form geschaffen ist. Man sollte auch nicht danach streben, etwas wiederholen zu wollen: Wenn ich das nächste Mal wieder übe, bin ich in einer anderen Situation. Wenn ich dann z. B. ein besonders angenehmes Erlebnis vom letzten Üben wiederholen möchte, bin ich nicht im Hier und Jetzt. Im bildlichen Sinne ist dann das Eisenstück nicht erwärmt, um weiter geformt zu werden. Es hat noch die Form vom letzten Üben.
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