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Qigong

Vorbereitende Übungen
Die Vorbereitungs- und Entspannungsübungen schaffen einen Übergang von der Alltagssituation zu einer inneren Ruhe und Konzentration, die Voraussetzung ist für das Praktizieren des Qigong. Mit Entspannung ist nicht die Abwesenheit von Anspannung gemeint.

Die Entspannung erfolgt auf verschiedenen Ebenen:
- Körperliche Entspannung
- Umfassendere Entspannungen, die auch den Bereich der Emotionen einbezieht
- Ganzheitliche Entspannung, die Körper und Geist völlig durchdringt

Diese Entspannung ist eine Voraussetzung zur Schulung der Innenwahrnehmung und für Vorstellungsübungen, um das Lenken des Qi zu erlernen. Der Entspannungszustand unterscheidet sich vom Alltagsbewusstsein. Man nennt ihn Qigong-Zustand. Körper und Geist befinden sich im Einklang. Man lässt sich nicht ablenken. Um diesen Qigong-Zustand zu erreichen, ist es zu Beginn erforderlich, sich genügend Zeit für die Entspannung zu nehmen. Mit zunehmender Übungspraxis wird es immer leichter, in diesen Zustand zu kommen.

Anschliessend an die Entspannungsübungen können Atemübungen durchgeführt werden. Die Übungen können im Stehen, Sitzen oder Liegen durchgeführt werden.
Wechselt man nach der Entspannung zu den Übungen in Bewegung, werden vorgängig noch Aufwärmübungen durchgeführt.

Übungen in Bewegung, die aus dem Qigong-Zustand heraus durchgeführt werden, haben eine andere Qualität. Es wird verhindert, dass es eine rein gymnastische Übung ist. Die Bewegungen erfolgen von innen heraus. Für die Entspannungsübungen ist die Kenntnis von der Lage einiger Akupunkturpunkten notwendig.

Stilles Qigong
Gemeinsam ist bei diesen Übungen, dass man zuerst in einen Zustand der inneren Ruhe und Entspannung gelangen muss. Dann konzentriert man sich auf die Atmung, bis sie wie von selbst fliesst. Anschliessend lenkt man die Aufmerksamkeit auf das Dantian (Zentrum, etwas unterhalb des Bauchnabels im Inneren), um das Qi dorthin zu lenken. Äusserlich herrscht Ruhe, innerlich bewegt sich das Qi. Erst aus dem Zustand der Ruhe heraus werden dann die Übungen ausgeführt.

Das Bewegen des Qi erfolgt durch die Vorstellung. So stellt man sich z.B. beim Kleinen Energiekreislauf eine Kreisbahn vor, durch die man das Qi von Punkt zu Punkt lenkt (an der Rückseite des Körpers aufwärts, an der Vorderseite abwärts; dabei sind auf dieser Bahn bestimmte Stationen des Kreislaufs lokalisiert). Mit zunehmender Übungspraxis entsteht eine deutliche Empfindung für die Bewegung oder unterschiedliche Empfindungen auf den Akupunkturpunkten, die auf der Bahn liegen. Mit der Zeit werden Vorstellung und Qi-Fluss identisch.

Die Übungen des Stillen Qigong unterscheiden sich nach ihrer Herkunft. Daoistische Übungen orientieren sich am Meridiansystem der chinesischen Medizin und speziellen Qigong-Kanälen. Sie sind zentrierender und allgemein geschlossener als buddhistische Übungen.
Buddhistische Übungen sind eher offen, sie beziehen oft einen Raum mit ein, der über die Körpergrenzen hinausgeht. Sie orientieren sich nicht am Meridiansystem, sondern sie beziehen sich auf einen zentralen vertikalen Kanal in der Mitte des Körpers. Bei Übungen, die aus Tibet stammen, verwendet man neben dem Mittelkanal noch zwei Seitenkanäle.

Das Achten auf die Atmung wirkt unterstützend, steht aber nicht an erster Stelle. Mit speziellen Übungen kann man verschiedene Atemtechniken erlernen, wie z.B. Bauchatmung, Gegenbauchatmung oder Körperatmung. Der Atem ist zwar eine Quelle des Qi, aber nach dem Verständnis des Qigong nicht das "wahre Qi" selbst. Im Qigong wird das Qi direkt durch die Vorstellungskraft aktiviert. Dabei ist die Vorstellung ein Mittler zwischen dem Wissen um die Gesetzmässigkeiten der Qi-Funktionen und der Aktivität des Qi selbst.

Übungen in Bewegung
Langsame körperliche Bewegungen beeinflussen zusammen mit der Vorstellung und dem Atem das Fliessen des Qi über die Leitbahnen (Meridiane) und bei den Akupunkturpunkten. Zum Teil werden während der Übungen bestimmte Punkte massiert oder mit der Handinnenfläche beeinflusst. Ebenso können Leitbahnen beeinflusst werden, indem man die Handinnenfläche, mit oder ohne Berührung des Körper, entlang der Leitbahnen bewegt.

Bei den Übungen folgen die Bewegungen meistens den gleichen Grundprinzipien. Bei vielen Übungen ist der Oberkörper aufrecht. Das Becken, der Rücken, der Hals und der Kopf bilden eine Linie. Drehungen erfolgen in der Regel aus dem Becken heraus. Die Bewegungen bilden eine Einheit. Die einzelnen Bewegungsabläufe verlaufen gleichzeitig. Wenn ich z.B. die Arme senke und in die Knie gehe, werden die einzelnen Bewegungen nicht nacheinander ausgeführt.



Körperliche Zentrierung und ein stabiler Stand sind eine Voraussetzung für bestmögliche Aufmerksamkeit und ein müheloses Ausführen der Übungen. Ein stabiler Stand ist auch in der Bewegung wichtig. In chinesischen Schulen wird dies beschrieben als "Oben herrscht Leere und unten Fülle". Ein tiefer körperlicher Schwerpunkt verbessert das Gleichgewicht und ermöglicht einen guten Bodenkontakt, wie ein tief in der Erde verwurzelter Baum.

Jede Bewegung während einer Übung hat eine spezielle Funktion. Spricht man bei einzelnen Übungen von Wirkungsschwerpunkten oder Wirkungsweisen, ist dies jeweils nur ein Aspekt der ganzen Übung. Jede Qigong-Übung wirkt über die Leitbahnen oder Meridiane regulierend auf den ganzen Körper.
Das Ziel ist nicht nur, einen tiefen Entspannungszustand zu erreichen, sondern alle Teile des Körpers in einem harmonischen Zusammenspiel zu erleben.

Wirkungen der Übungen:
- Lösen von Spannungen im Körper
- Verbesserung der Durchblutung
- Beseitigung chronischer Fehlhaltungen und Muskelverspannungen
- Kräftigung des ganzen Körpers: Muskeln, Sehnen, Knochen, Bindegewebe, Organe
- Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination
- Verfeinerung der Wahrnehmung
- Innere Ausgeglichenheit, Harmonie und Beruhigung des Geistes
- Allgemeine Verbesserung der Gesundheit, Vorbeugung
- Positive Wirkung oder Heilung bei vielen chronischen Krankheiten
 
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