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Widerstandserhöhung
Den Körper zu kräftigen, die Sinne zu schärfen und den eigenen Hochmut zu zügeln, war seit jeher eines der wesentlichen Ziele jeder Kampfkunst. Die Kampfkunst, in ihrem Wesen tief eingebettet in den Buddhismus und den Taoismus, zielt vor allem auf die intensive Selbstreflexion. Der Kampfkünstler führt seinen Kampf - entgegen der weit verbreiteten Meinung - ausschliesslich nach innen, gegen sich selbst und mit der sicheren Gewissheit, den Sieg niemals erringen zu können. Seine Motivation ist das Bedürfnis, die eigene Natur wahrzunehmen, sie zu ergründen und zu erkennen. Durch die intensive und kritische Auseinandersetzung mit sich selbst und mit anderen, sowie durch die stetige Überwindung eigener Grenzen und innerer Widerstände, entwickelt er eine enorme physische und psychische Ausdauer, welche sich in einem Gefühl von körperlicher Kraft, Sicherheit und mentaler Ausgeglichenheit manifestiert. Die Übungsformen, welche solche Bestrebungen besonders unterstützen, wollen wir hier zusammenfassend als Widerstandserhöhung bezeichnen. Jede Widerstandserhöhung hat unter solcher Perspektive sowohl eine körperliche, wie auch eine Mentale Komponente.

Das Abhärtungstraining
Da wir im Wing Chun vorwiegend die natürlichen Waffen des menschlichen Körpers als Verteidigungsmittel einsetzten, ist es notwendig, dass diese Körperteile verstärkt abgehärtet, widerstandsfähig gemacht werden. Dies trifft jedoch nicht für alle Körperteile zu. Es wäre zum Beispiel unsinnig und auch schädlich, Stirn oder Hinterkopf speziell abhärten zu wollen. Deren natürliche Härte reich voll und ganz aus, um im Ernstfall als Waffe eingesetzt zu werden. Etwaige Schlagtests mit dem Kopf sind darum aus gesundheitlichen Gründen abzulehnen. Durch das Härtetraining sollen Körperteile für einen Einsatz im Ernstfall oder für das Zusammentreffen mit anderen festen Materialien vorbereitet werden. So können zum Beispiel die Arbeit an Wandsack und Holzpuppe aber auch Fallübungen aus geringer Höhe über Hindernisse auf festen Boden zu einer gesunden Abhärtung beitragen.

Das Iron Palm (eiserne Hand) Training
Der Begriff Iron Palm steht für eine Reihe von Übungen, welche meist, wie oben beschrieben, an Wandsäcken mit verschieden harter Füllung ausgeführt werden. Der Schüler lernt hier zu Beginn, unter Berücksichtigung korrekter Körperpositionen und Techniken, verschiedene Schläge gegen diese harten Widerstände auszuführen. Die Motivation, diese Form von Widerstandserhöhung zu trainieren ist bei den meisten Praktizierenden relativ hoch. Voller Engagement geht’s zunächst zur Sache, schon bald aber wird das monotone Schlagen auf ein Kissen langweilig und die Achtsamkeit lässt nach. In der Folge werden die Techniken unkorrekt ausgeführt und die Körperpositionen vernachlässigt. Es stellen sich Schmerzen ein und die Übung wird schnell aufgegeben. Wie aber trainiert man Iron Palm richtig?



Zunächst einmal sollte man sich darauf konzentrieren, die Schlagübungen technisch richtig und mit wenig Krafteinsatz auszuführen. Die Abhärtung am Körper erfolgt wesentlich besser bei lockerer Ausführung. Die Achtsamkeit gegenüber der Übung ist ein weiterer entscheidender Faktor. Jeder Schlag auf das Kissen ist ein neuer Schlag und nicht etwa die Wiederholung des vorangegangen. Jedem Versuch muss die ehrliche Bestrebung voraus gehen, sich verbessern zu wollen. Nicht nur hier gilt, dass man aus einer Übung in dem Masse gewinnt, wie man bereit ist, in sie zu investieren. Wer Iron Palm auf diese Weise und in dieser Haltung trainiert, festigt nicht nur seinen Körper, sondern auch seine persönliche Willensstruktur umfassend.

 
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