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Wing Chun

Was ist ein guter Lehrer?
Alles auf allen Stufen zu unterrichten ist eine Kunst, welche neben einem hohen Grad an Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen einen offenen, klaren und ruhigen Geist verlangt. Die Lernenden sollen zu einer aufgeschlossenen Haltung gegenüber dem, was sie praktizieren geführt werden. Man sollte speziell in den Kampfkünsten niemals etwas tun, nur weil es aus Tradition so unterrichtet wird oder weil es der Sifu (=Lehrer) so sehen will, genauso wenig wie ein Lehrer Erklärungen gegenüber dem Schüler zurückhalten soll, weil es sich um eine Geheimlehre oder eine spezielle Geheimtechnik handle.

Was ist ein guter Unterricht?
Es gibt keine Geheimnisse im Wing Chun Kung Fu, nur verschiedene Interpretationen des Systems. Wer sein Unterrichtssystem als Meister kennt und es durchdacht hat, es stetig praktiziert und hinterfragt, der ist gegenüber kritischen Fragen aufgeschlossen und auch nie um eine gutes Argument verlegen.
Wenn ein Praktizierender eine Frage hat, muss sie durch den Lehrer in einer klaren, für den Schüler verständlichen Weise beantwortet werden. Weder der grosse Hokus-Pokus um Geheimlehren und Techniken noch eine Antwort in Form einer gestreckten Geraden in Richtung Nase des Schülers sind geeignete Formen seine Schüler weiterzubringen. Ein Lehrer sollte vom Schüler aufgrund seiner Fertigkeiten und auf der Basis von Freundschaft und Vertrauen respektiert werden. Niemals sollten sich Schüler vor dem Lehrer fürchten oder ihm gar den Respekt zollen müssen. Am Ende hat der Schüler von einem hochprofessionellen Alleskönner nichts, wenn dieser nicht in der Lage ist, sein Wissen weiterzugeben.

Die Bedeutung der Formen
Im Sinne einer grundlegenden Bewegungsdefinition werden die Basistechniken des Wing Chun (schöner Frühling) in festen Bewegungsabläufen festgehalten, welche als Formen bezeichnet werden. Vergleichbar mit einem Schüler, der in der Schule zuerst das ABC lernen muss, erarbeitet sich ein Wing Chun Praktizierender die grundlegenden Bewegungen des Wing Chun in drei Basisformen Siu Lim Tao (die Kleine Idee), Chum Kiu (Brücke schlagen) und Biu Tse (stechende Finger).

Genauso aber wie der Schüler mit dem ABC alleine noch keine Sätze, geschweige denn ganze Texte schreiben kann, ist ein Wing Chun Praktizierender in der Lage, alleine mit den Formen das Wing Chun praktisch anzuwenden oder gar methodisch / didaktische Zusammenhänge im System selbst und somit das Lehrsystem zu erkennen. Um zu verstehen, wie die Formen in die Praxis der realen Selbstverteidigungssituation übertragen werden können, wie sie sowohl den Körper als auch den Geist zu schulen vermögen und wie man sie schlussendlich auch als Lehrer einem Schüler weitergeben kann, braucht es neben einem breitangelegten Potential an Anwendungsmöglichkeiten in verschiedenen und häufig wechselnden Trainingsbereichen vor allem die Unterstützung eines kompetenten Lehrers.
 
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