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Das Training nach den 5 Elementen

Kung Fu im Wandel
In der chinesischen Philosophie wird die Theorie von Yin und Yang seit jeher verwendet, um scheinbare Gegensätze wie z.B. Körper und Geist, hart und weich, Leben und Tod, usw. in ihren engen Wechselbeziehungen darzustellen und zu beschreiben.

Die Lehre des Yin und Yang ist aber kein dualistisches Denkmodell. Nach der Taoistischen Weltanschauung bedingen sich Gegensätze wechselseitig, ohne das Eine kann das Andere nicht existieren und nur wenn beide existieren, ist Ganzheit gegeben. Yin und Yang vermehren und vermindern sich zugleich gegenseitig und in stetigem Wandel. Die Symbolik dieser Beziehung der Gegensätze zeigt das bekannte und in vielen Kung Fu Schulen verwendete Symbol.

Alle Stilrichtungen des Kung Fu streben nach einem dynamischen Gleichgewicht zwischen den Polaritäten (hart/ weich, aktiv/ passiv, schnell/ langsam usw.) durch zwei hauptsächliche Übungsformen: dem Wai-Gong, der äusseren Energiearbeit durch Formen und Anwendungen und dem Nei-Gong, der inneren Energiearbeit durch Meditation.

Dynamisches Gleichgewicht bedingt aber die Wandelbarkeit in verschiedene Zustände zwischen den Polaritäten. Um diesen Wandel besser verständlich zu machen, bedient man sich in China noch heute dem über zweitausend Jahre alten Modell der Fünf Elemente (Wu Xing). Für die Kung Fu Praxis wurde die Theorie mancherorts übernommen, um die Beziehung zwischen den Trainingsinhalten untereinander und ihrer Wirkung auf Körper und Geist besser zu erfassen, zu beschreiben und zu erklären.

Kung Fu im Wandel
Lehrer, aus den Wechselbeziehungen zwischen diesen fünf Trainingsbereichen Orientierungshilfen für seine Schüler und die Verbesserung ihres Trainings abzuleiten.

Dazu ein Beispiel:
Die meisten Menschen, die mit dem Kung Fu Training beginnen, waren zuvor häufig längere Zeit körperlich inaktiv und müssen an ihrer Kraft und ihrer Ausdauer arbeiten, bevor sie in der Lage sind, anstrengende Körperübungen zu bewältigen. Die Formen im Element Holz, welche die Muskulatur zugleich dehnen und kräftigen, machen den Körper geschmeidig und wärmen ihn behutsam auf. Längerfristig sorgen sie für den Aufbau und die gleichmässigen Zirkulation der Energie im Körper und verhindern ausserdem Muskelkrämpfe und Zerrungen.

Wenn man sich mit den Formen gründlich vorbereitet hat und die körperliche Verfassung gut ist, kann man sich auch an anspruchsvollere Trainingsarten im Bereich der Techniken (Feuer) wagen. Das Trainieren im Element Feuer, beispielsweise in Form von Kampftechniken am Partner, kann aber durch Selbstüberschätzung der Trainierenden oder übertriebener Ansprüche des Lehrers sehr rasch ausser Kontrolle geraten. Längerfristige Überanstrengung führt hier oft zu einem Übermass an Feuer im Körper des Trainierenden und in der Folge zu Energieverlust in Form von Zorn, Wut, Frustration und Gewaltanwendung. Das Kung Fu Training hat aber zum Ziel, die im Körper erzeugte Energie zu erhalten, zu fördern und sie nicht sinnlos zu vergeuden.

Übungen im Trainingsbereich Gefühlsschulung (Erde), welche die Zirkulation der Energie im Körper während der Ausführung der Techniken zu erhalten und zu mehren vermögen, um sie dann im richtigen Moment wirkungsvoll einzusetzen, sind vor allem für Anfänger viel besser geeignet, als beispielsweise der oft praktizierte Freikampf oder hart ausgeführte Kampfübungen am Partner.

Die Gefühlsschulung (Erde) wird hier von den Techniken (Feuer) unterstützt aber gleichzeitig von den Formen (Holz) kontrolliert. Der sehr anspruchsvolle Freikampf (Feuer) hingegen bedarf zu seiner Kontrolle der meditativen Übung (Wasser), in welcher der Schüler lernt mit seinen Emotionen (Angst, Wut, Frustration usw.) auch unter starker körperlicher Belastung richtig und gut umzugehen. Erfahrungsgemäss beginnen die meisten Schüler viel zu früh mit dem Freikampf.

Der Mangel an technischer Kontrolle und an Abhärtung in Verbindung mit einem Übermass an Emotion führt dann oft zu einer schrittweisen Degenerierung der Form (Holz), weil die innere Energie im Körper, durch Schädigungen an Muskeln und Gewebe und durch die Schwächung des kontrollierenden Elements Wassers, nicht mehr frei zirkulieren kann.

In der Folge werden die Formen hart (Wassermangel), die Bewegungen steif und undynamisch. Zudem gewinnen die Emotionen rasch weiter Überhand (Feuer im Übermass), weil der Anfänger in der Regel noch nicht in der Lage ist, diesem Phänomen mit Hilfe der Meditation wirkungsvoll zu begegnen.

Somit wird von der Meditation (Wasser) ausgehend der Erzeugungskreislauf der Elemente immer weiter geschwächt und die nachfolgenden Trainingsbereiche Formen (Holz), Techniken (Feuer), Gefühlsschulung (Erde), Widerstandserhöhung (Metall) verlieren auf Grund fehlender Förderung mehr und mehr an Qualität.

Erkennt ein Lehrer diese Entwicklung zu spät und leitet nicht rechtzeitig entsprechende Gegenmassnahmen ein, wird der Schüler über kurz oder lang mit seinem Training aufhören, weil er in diesem Teufelskreis zunehmender Schwächung der Elemente keine weiteren Trainingsfortschritte mehr erzielen kann.
 
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